Jamaica

7.3.

In den Morgenstunden kommt Jamaica Backbord voraus in Sicht. Über Land hängen dicke schwarze Regenwolken. Gerade noch rechtzeitig vor dem Tropenguß schlüpfen wir um 12:00 Uhr in die Errol Flynn Marina, die im West Harbour von Port Antonio liegt. Die CORWICH CRAMER - ein Segelschulschiff der Boston University, die schon die ganze Nacht hinter uns segelte, hat etwas weniger Glück. Die Crew legt an während aus Kübeln schüttet.

Die zu erwartende Einreiseprozedur mit Gesundheitscheck, Zoll und Einwanderungsbehörde nimmt  ihren behördlichen Gang. Geduld ist angesagt. Alle Beamtinnen sehr höflich, sehr genau, durchaus humorvoll aber auch ihrer Macht bewußt. Das Einchecken in die Marina nochmal so ähnlich. Dann aber: wunderbare Duschen – heiß und kalt mit kräftigem Wasserstrahl – eine lange Wochen vermißte Wohltat.

Am Nachmittag Besuch des Städtchens. Alles lebendig, wuselig im Gegensatz zur DR fehlen aber die Massen an tollkühn beladenen Mopeds mit ihrer Kamikaze-Fahrweise. Linksverkehr, noch ein bißchen britisch! 

Port Antonio


1  

8.3.

Um sechs Uhr morgens finden wir uns an der Knutsford Express Haltestelle direkt hinter der Marina ein. Von den drei Alternativen - Taxi, Privatbus und öffentlicher Bus - haben wir uns für den relativ luxuriösen privaten Expressbus entschieden. Reservierte Plätze, angenehm kühle Klimatisierung und kaltes Getränk, Video mit tödlich ausgehendem Ehedrama auf dem Bildschirm. Fahrt zunächst entlang der Nordküste nach Ocho Rios, dort umsteigen, dann Mautautobahn nach Kingston.

Erstes, langerträumtes Ziel ist das Bob Marley Museum 56 Hope Road.

Für stolze 20 US $ erhalten wir von einem Rastafari Jünger eine ausführliche Beschreibung von Marleys Leben und Wirken. Sie wird durch gar nicht so schlechte Gesangseinlagen im Chor mit den fachkundigen Mitbesuchern aufgelockert.

 

Bob Marley´s Haus, jetzt Museum

Nach gut zwei Stunden fahren wir weiter zum National (Art) Museum und schauen uns einen sehr interessanten Querschnitt von Werken junger und älterer jamaicanischer Maler und Bildhauerinnen an.

Kingston


1  

Die Heimfahrt im Dunklen auf einer direkteren aber deutlich holperigeren Route ist trotz Luxusbus und wirklich ausgebufftem Fahrer ein Erlebnis. Wir sind heilfroh, es nicht nochmal mit einem Leihwagen versucht zu haben und wieder wohlbehalten in Port Antonio auszusteigen.

9./10. 3.

In der Nacht weitere Tropengüsse. Eine Kaltfront geht über uns hinweg. In einer kurzen Trockenphase laufen wir aus. Ziel ist Montego Bay, ca. 90 sm entfernt – also wieder eine Nachtfahrt.

 

 

 

 

Nordküste Jamaica

Zunächst wenig Wind, dann aber doch BF 4-5 und mit Rauschefahrt geht´s raumschots durch die Nacht. Im Dunklen heftiges Wetterleuchten vor uns, hinter uns, über uns. Wir bergen vorsichthalber die Vorsegel, aber alles bleibt in geordneten Bahnen. Um 03:30 können wir halsen und laufen mit halbem Wind in die Montego Bay ein. Nach einigem Suchen fällt der Anker im ersten Dämmerlicht vor dem Montego Bay Yacht Club.

Nach Ausschlafen verläuft der Tag gemächlich zumal der Dockmaster uns wegen starken Windes kein Festmachen an der Brücke gestattet, wir also vor Anker bleiben müssen. Dennoch dürfen wir die Einrichtungen des Clubs benutzen und können Einkaufen gehen.

11.3.

Heute haben wir uns mit unserem gestrigen Taxifahrer zu einem Ausflug verabredet.

Zunächst verholen wir das Boot in der Morgenflaute an die Pier. Hier wird „stern to“, im Mittelmeerraum als „römisch-katholisch“ bekannt, auf deutsch vor Bugleine mit dem Heck zur Pier festgemacht. Wir schnappen uns zunächst die dafür vorgesehene Boje und werfen zusätzlich unseren Buganker. Dann geht´s im Rückwärtsgang an die Pier.

Pünktlich um 11:00 holt uns Brenton ab und wir fahren durch den sonntäglich ruhigen Ort entlang der Nordküste zur Rose Hall.

Montego Bay/ Rose Hall


Das inzwischen aufwendig restaurierte Herrenhaus ist eines der wenigen Überbleibsel der auf Sklavenarbeit gegründeten Plantagenwirtschaft unter englischer Herrschaft. Statt Zuckerrohr heißt der jetzige Wirtschaftsmotor Tourismus und so nimmt ein Golfplatz reichlich Raum ein.

Den besonderen „Ruf“ erlangte Rose Hall durch die Einheirat einer liebestollen und mordlustigen Lady, die sowohl drei Ehemänner als auch zahllose Sklaven ermorden lies und letztendlich (natürlich!) auch selbst mit 29 Jahren von einem eifersüchtigen Liebhaber erwürgt wurde. Jonny Cash, der in der Nähe ein Haus besaß und mit den späteren Besitzern befreundet war, hat diesem Drama einen Song gewidmet. 

Zurück auf dem Schiff genießen wir Montego Bay bei 28°C. Von zuhause grüßt uns die HAMBURG, die gerade gegenüber am Kreuzfahrtterminal festgemacht hat.

Morgen soll´s dann weiter Richtung Cuba gehen.