Grönland (von Nuuk zum Prins Christian Sund)

 


Sonntag, 21. Juli 2019


Schluß mit dem faulen Landleben! 

7 Uhr aufstehen! Frühstücken, Stromkarte auslesen und Stromkabel einholen. Leinen los und vorsichtig vom Kutterkai zum Fischerkai verholen. Hafenmeister aus seiner Sonntagsruhe holen, Restguthaben der Stromkarte gutschreiben lassen, Schlüssel zum Kai abgeben, Wasserleitung verlegen und 800 Liter Wasser bunkern. 

Endlich, um 10:45, verabschieden wir uns zusammen mit einem Traditionssegler von Nuuk und tuckern bei Flaute hinaus in denn Nebel.

Wie bei der Ankunft verlassen wir die Hauptstadt Grönlands durch die Südeinfahrt, die sich mindestens 11,80 m tief zwischen den vorgelagerten Inselchen hindurchwindet. Mal hebt sich der Nebel etwas, mal wird er wieder dichter - nichts besonders aufregendes unter Radar und mit exaktem Kartenplotter. Nach Passieren des Leuchtturms Saattut drehen wir ab in den Kangerluarsoruseq, einen kleinen nach Osten verlaufenden Fjordarm. Gleich hinter dem Eingang geht’s nochmal nach links zwischen kleinen Inselchen in den alten inzwischen verlassenen Färingehavn, wie der Name schon sagt, ein Hafen der Fischer von den Färöer. Eigentlich wird vor der Einfahrt gewarnt, weil die Seezeichen nicht mehr instand gehalten werden und Unterwasserklippen umbezeichnet bleiben. Aber so aufregend war es dann doch nicht und der Anker fällt in einer wunderbar ruhigen allseits geschützten Bucht.  

Durch eine Wolkenlücke grüßen in der ferne sonnenbeschiene Gletscher, ein paar Möwen jagen sich, ansonsten vollkommene Ruhe. Und kräftiges Telefonnetz!

 

An Land streifen wir durch das verlassene Dorf. Inzwischen sind wohl alle Häuser unbewohnbar, obwohl eine Yoghurt Dose noch 2018 als Verfallsdatum aufweist. Leider stört der umherliegende Müll und Schrott etwas die Idylle. Aber hier wurde sicher um zu Überleben knochenhart gearbeitet ohne viel Zeit für unsere romantische Vorstellung von reiner Natur.

 

 

 

 

Man beachte den Fernsehapparat im Vordergrund!


Montag/Dienstag, 23. Juli 2019


Anker auf! Denkste! Erst mal das Kjelpmesser herausgeholt und wieder einen riesigen Ballen dieser Schlingpflanzen vom Anker lösen. Ein Wunder, daß sich der Anker da bis in den Grund durchgebissen hat! 

 

Nach anfänglichem Schwachwind steigert sich der Nordwest doch auf 4-5 Bf und wir erreichen unter Spinnaker bis zu 9 kn. Die Eisberge sind klein und selten, so daß wir bis zum Abend einen entspannten Segeltag genießen. Zur „Nacht“ (es bleibt immer zumindest dämmrig hell) bergen wir den Spi weil wir Einzelwachen fahren und ein plötzliches Bergen dadurch schwierig wäre. Unter ausgebaumtem Yankee machen wir gleich 2 kn. weniger Fahrt und dann schläft der Wind auch noch ganz ein. Also Motor. Bis zum Morgen stehen wir vor der Einfahrt nach Paamiut/Frederikshåb. Um 9 Uhr sind die Leinen fest und wir genießen unser Frühstück.

Kirche in Fredikshåb

Anschließend erforschen wir die „Stadt“ (1600 Einwohner). Nach der Haupt- und Weltstadt Nuuk kommt es uns hier  s e h r  ruhig vor. Von der früheren Bedeutung als Handels- und Fischereimonopole scheint wenig blieben zu sein. Immerhin gibt es zwei Supermärkte, eine Post und eine Dreifeld-Sporthalle mit wunderbar kräftigen Duschen.

Einfahrt nach Paamiut

 Kaum will ich mich etwas enttäuscht auf´s Schiff zurückziehen, kommt die Sonne heraus und ich treffe in einem Andenkenladen einen Grönländer-Dänen mit dem ich mich angeregt unterhalte. Da sieht doch alles viel freundlicher und lebendiger aus. Nun bekommen wir dort auch noch Kaffee und Kuchen für kleines Geld sowie freies Internet. Hat sich doch gelohnt hierher zu kommen.



Mittwoch, 24. Juli 2019


Es droht nicht nur Gegenwind sondern ab übermorgen Nachmittag sogar starker Gegenwind. Wir sollten also bis dahin unser Ziel Julianehåb/Qaqortoq erreicht haben oder zumindest im geschützten inneren Fahrwasser verschwunden sein!

Das dänische Seehandbuch empfiehlt dafür eine ortskundige Führung und Vorsicht. Na, an letzterer soll es nicht scheitern- das werden wir schon schaffen! 

Am Vorabend gehen wir die Route durch und tragen die Kurse ein. Dennoch erscheint uns vieles ungewohnt. So bleibt die Seekarte manchenorts einfach weiß, das heißt, es fehlen die Tiefenangaben oder es wird nur eine einzige Lotungsreihe gezeigt. Weiterhin können die durch GPS gewonnene Positionen unter Umständen nicht direkt in die Karte übertragen werden, weil sie ein anderes Bezugssystem hat. Zu allem Überfluss herrscht am Morgen auch noch mäßige Sicht und Nieselregen.

Mit Radaroverlay am Plotter fühlen wir uns aber bald einigermaßen sicher und kommen gut voran.

Die drei Bilder zeigen die reale Sicht, das Radaroverlay und die dänische Seekarte. 

So sieht es in Wirklichkeit aus


Radaroverlay
die dänische Seekarte

Wir durchqueren zahlreiche Fjorde und Inseldurchfahrten mit so fremd klingende wie unaussprechliche Namen wie Kangilineq, Sarfaatsiaq, Imartuneq, Qiioqi und Qiioqiarsuk. Die Inseln Portusoorsuup Tunuleqitikasii werden ebenfalls passiert. 

 

 

 

 

Kleines Dörfchen am Wegesrand

Besonders der eisgefüllte Sermilik den wir queren müssen, hat es uns mit seinen zahlreichen Eisbergen angetan, Anderenorts imponieren schroffe Bergzacken und steile Abbrüche.

Wir umrunden Vesterland (Quassuaq) und denken bei 5 Grad Außentemperatur zwischen Eisbergen und Growlern nicht ohne etwas Schadenfreunde an die armen Menschen die in Westerland (Sylt) gerade am Strand bei Rekordhitze gegrillt und gedörrt werden!… 

Den Abschluß soll ein schöner Ankerplatz im Eisbergsund bilden. (Manitsoq) Leider erweist sich dieser als so stark verkrautet, daß der Anker erst beim fünften Versuch einigermaßen hält, und wir zur Vorsicht Ankerwache gehen müssen.

 

Donnerstag, 25. Juli 2019


Dank nächtlicher Flaute mußte die Ankerwache nicht eingreifen und wir können um 6 Uhr den eher ungastlichen Ort verlassen. Freundlich begrüßen uns im Eisbergsund die Frühaufsteher an Bord der „Sarfaq Ittuk“-dem Grönländischen Pendant der Hurtigroute. Auch diese Schiffe verbinden die kleineren grönländischen Häfen in einer permanenten Reiseschleife.

Heute steht nach Simpson Passage und dem Überqueren der Kobberminebugt der Torssukâtak mit der zumindest auf der Karte unangenehmen Knaekket-Engstelle auf dem Programm. Die ca 10 sm im Landesinneren verlaufende fjordähnliche Route vermeidet das schon vom Namen her unangenehme Kap Desolation sowie das Kap Thorvaldsen. Letztendlich läuft in Schleichfahrt alles wunderbar glatt - nie weniger als 10 m Wasser unter dem Kiel! 


Bizarre Felsformationen, darüber dramatische Wolken und Nebelfetzen, bilden ein unvergessliches Szenario.  

Rechtzeitig zum Nachmittagskaffee erreichen wir unseren Ankerplatz im nördlichen Mageloeb. Auch hier wieder kaum Raum zum Schwojen, aber der Anker fasst sofort. Zur Sicherheit bringen wir noch eine lange Landleine aus und hoffen trotz Starkwindgefahr auf eine ruhige Nacht.

Vor Anker mit Landleine als Sicherung
Nicht immer gelingt die Grönlandfahrt!


Freitag, 26. Juli 2019


Eine Nacht wie in Abrahams Schoß!! Alle haben wunderbar geschlafen. Der Starkwind läßt noch auf sich warten. Aber Aasiaat Radio warnt weiterhin: Ost 14 m/sec (Windstärke Bf 7). Vermutlich aber erst morgen. Wir tuckern nach Einholen der Landleine erst mal unter Motor los. Weil alles so schön ruhig ist (Nässe und Kälte empfinden wir lediglich als kleinen Schönheitsfehler), nehmen wir ein enges Nebenfahrwasser mit Peilbaken, die wenige Meter an einer teils überspülten Schäre vorbeiführen. In Schleichfahrt passieren wir die Stelle, nebenan grüßt ein Eisberg - alles geht glatt. 

Im Dauerregen liegt eine eigenartig ruhige Stimmung über den Inseln. Wie Kulissen überlagern sich ihre Konturen vom Vordergrund bis in den Hintergrund.

Im Julianehåbsfjord begegnen wir der AIDA cara und einem anderen Kreuzfahrer, die wohl über Nacht das nächste Ziel ansteuern. Schön, daß wir das 3.000 Einwohner Städtchen Qaqortoq/Julianehåb nicht mit den geschätzt 3.000 Kreuzfahrern teilen müssen.


Samstag, 27. Juli 2019


Heute keine Eisberge sondern Sommer!! Der Regen hat über Nacht aufgehört; sparsame blaue Tupfen am Himmel künden einen schönen Tag an. Von einem drohenden Sturm ist nichts zu bemerken. Eine Reise in die Wikingerzeit liegt vor uns. Die sagenhafte Ostsiedlung (Østerbygden) Erik des Roten (Brattahlid) bestand in der bis dahin unbewohnten Gegend um Julianehåb seit dem Jahr 982. In den besten Zeiten siedelten hier 4-5.000 Einwohner. Warum die Siedlungen um 1500 wieder aufgegeben und verlassen wurden bleibt bisher unklar. Diskutiert werden klimatische und wirtschaftliche Gründe. Ob das Vordringen der Inuit von Norden her eine Rolle spielte wird unterschiedlich gesehen.


Am Ende des Julianehåbfjordes liegt Hvalsø (Walinsel) die am besten erhaltene Kirche der Nordmänner aus dem 14.Jahrhundert. Ruinen eines herrschaftlichen Gutes mit Wohnanlagen, Ställen und Speichern umgeben das Gebäude. Die 16 x 8 m große Kapelle wurde mit Granitblöcken aus dem nahegelegenen Steinbruch errichtet. Wir sind beeindruckt, welch exakte Arbeit die damaligen Baumeister geleistet haben und wie stabil das Kirchlein die Stürme der Zeiten überstanden hat.


Im warmen Sonnenschein wandern wir über blumenbestandene Bergwiesen, während ARIEL vor Anker auf die Rückfahrt nach Qaqortoq wartet. 

Auch ein Wal zeigt sich beglückt vom schönen Tag und winkt mit der Schwanzflosse.



...und tschüs

















Sonntag, 28. Juli 2019


Den Sturm haben wir verschlafen. Es regnet kräftig. Da sinkt die Lust weiterzufahren, zumal uns der Blick auf die Winddaten doch respektvoll schaudern läßt. 

Wir sind dort, wo der rote Kreis ist. Eine windstille Insel!


Über Nacht ist ein Kreuzfahrtschiff im Fjord vor Anker gegangen und wir beobachten wie die Gäste ausgebootet, (ausgebeutet???) und wieder eingebootet werden. 

Am späten Vormittag wird es etwas heller und wir legen ab. Erneut ist eine „Schmalstelle“ auf dem Programm. In Schleichfahrt halten wir uns in der Mitte der Felsen und kommen ohne Kratzer durch. 

Hier geht's durch!

Dann reißt sogar der Himmel auf und wir fahren im warmen Sonnenschein durch die Schärenlandschaft nach Sydprøven/ Alluitsup Paa. Ein, man möchte fast sagen, naturbelassenes Fischerdorf, idyllisch auf einer Schäre gelegen. Allerdings fast menschenleer (Sonntag?). Von dem Hügel über dem Hafen genieße ich die Aussicht. 

Sydproeven


Blick über Sydproeven nach Norden
Allgegenwärtig: Wollgras


Montag, 29. Juli 2019

Morgenstimmung über dem Lichtenau Fjord


Heute soll Badetag sein!

Doch bevor wir uns in die Fluten werfen, um den Schmutz der vergangenen Woche abweichen, wollen wir noch die ehemalige Missionsstation der Herrenhäuser Brüder in Lichtenau besuchen. Lichtenau war einmal die bevölkerungsreichste „Stadt“ Grönlands, schrumpfte aber sofort nach dem Auszug der Brüder, war dann vorübergehend Heilanstalt für Alkoholabhängige und wurde 1999 endgültig aufgegeben. 

  


Das Kirchlein ist nach wie vor gepflegt, es scheinen auch gelegentlich Gottesdienste abgehalten zu werden. Viele Häuser sind im Vergehen, manche scheinen jedoch durchaus zeitweilig bewohnt. Ich sehe auch einen gepflegten Garten, Schafwolle und ein zum Trocknen aufgehängtes Schaffell.

(Nicht rätseln, was das ist! Ich meine „Schaf-Fell“)

Wir lichten den Anker und fahren zum Badeteich auf Uunartoq. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Bilderbucheisberg, den wir als willkommenen Hintergrund für ein Fotoshooting mit ARIEL umkreisen.

 

Und dann hinein in´s nasse Vergnügen!!

Auf Uunarqoq gibt es seit Wikingerzeiten eine heiße Quelle mit angenehmer Badewannentemperatur. Nur das Aussteigen kostet etwas Überwindung bei ca 5 Grad Außentemperatur. Aber es gibt extra ein Umkleidehäuschen, das erleichtert die Anziehphase.

Baden mit Eisbersicht!

Wunderbar erfrischt und sauber geht’s weiter zum heutigen Tagesziel Nanortalik, das wir vorbei an steilen gletscherbedeckten Bergen und durch enge Durchfahrten bis abends erreichen. 

 


Dienstag, 30. Juli 2019


Heute Ruhetag

Einkaufen, Museumsbesuch, dänische Plunderteilchen zum Kaffee, längere Unterhaltung mit dem stellvertretenden Chef der Fischfabrik mit interessanten Einsichten über Land und Leute.

Frühstückspause in der Fischfabrik, von der wir freundlicherweise Wasser bekommen!

 

 

 

 

Kinderbesuch an Bord

 

 

 

 

Der alte Handelshafen
Sommer in Grönland

 

 

 

 

...und der freut sich auf den Winter!

Mittwoch, 31. Juli 2019


Die letzten Tage an der Ostküste brechen an. Morgens Verholen zum Tanken und dann entlang der Südostküste nach Frederiksdal. Die Eisberge werden größer. Plötzlich scheint es von Seglern zu wimmeln. Schon gestern hat sich eine amerikanische Superyacht aus Newport neben uns gelegt, heute begegnen wir zwei weiteren Schiffen und in Frederiksdal kommt eine norwegische Yacht, die wir schon in Nuuk gesehen haben längsseits. Erfahrungen und Ankerplatztips werden ausgetauscht. Sie wollen auch nach Reijkjavik, waren hauptsächlich zum Bergsteigen in Grönland. In der Tat: die Berge werden hier unten deutlich höher und spitzer, sozusagen „Drei Zinnen zur See und und in Großformat“! Ebenfalls wimmelt es von Fliegen, so daß das Freie nur mit Mückennetz zu betreten ist.

 

 

 

 

Der Anleger in Frederiksdal stellt uns vor Herausforderungen. Er ist viel kürzer als Ariel und nur mit langen Landleinen zu den nächsten Felsen zu benutzen. Der Ort selbst hat uns ob seiner imposanten Umgebung ganz neugierig gemacht. Er ist ebenfalls als Missionsstation der Herrenhuter Brüder gegründet worden. Leider werden wir enttäuscht. Viel Schrott an allen Ecken, die Häuser baufällig und ungepflegt. Trotz großer Kinderschar ein sterbender Ort. Die Kinder werden hier wohl kaum bleiben. 

Frederiksdal. Rechts der Anleger

 

 

 

 


Donnerstag, 1. August 2019


Nun also auf zum Prinz Christian Sund!

Wir sind ja vorgewarnt: angeblich der schönste Sund der Welt („one of the world´s most magnificent passages“), ….

Und in der Tat, es fehlen die Worte… spektakulär, gigantisch - alles abgegriffen! Die Bilder geben einen kleinen Eindruck. Dabei kommt das das Beste vermutlich noch. 

 

 

 

 

Wer gibt den letzten Schubs?


Im kleinen Örtchen Augpilatoq legen wir an. Werden aber mit dem Hinweis auf das bald eintreffende Versorgungsschiff auf den Ankerplatz verwiesen. Um 17:00 fährt die AQQALUK ITUK wieder weiter und wir können ihren Liegeplatz benutzen.

Das Versorgungsschiff bringt die Waren für den Dorfladen und den Bausatz für ein neues Haus

Wir treffen den ehemaligen Lehrer des Ortes, ein Däne, der jetzt in Apenrade wohnt und an seiner früheren Wirkungsstätte mit seiner grönländischen Frau Sommerurlaub macht. Er ist Nordschleswiger und spricht auch gut deutsch. Wie jeder vermuten wird, waren die Winter wohl das Schlimmste, wenn man wochenlang die Sonne nie sah. Aber ich meine auch eine gewisse grundsätzliche Skepsis gegenüber dem heutigen Grönland durchzuhören. 


Freitag, 2. August 2019


Heute Tourismus Kreuzfahrt Programm: Wir hatten von einem Sund voller Wale gehört, von einem obersuberspektakulär engen und steilwandigen Fjord sowie einem himmlischen Ankerplatz.

Um es kurz zu machen: nicht von alledem traf zu. Kein einziger Wal, ein ganz normaler Fjordarm und eine Ankerbuch mit 10 m Tiefe ca 20 m vom Ufer entfernt. 

Wir entschließen uns, nochmal nach Augpilatoq zu gehen. Bei einer anschließenden Wanderung beschauen wir uns das Örtchen von oben.


Samstag, 3. August 2019


Letztmals Telefon, letztmals Internet. Ab jetzt nur noch Funk oder Satellit. Noch einmal alle ausführlichen Wetterberichte eingeholt und letzte Grüße versandt. Dann durchfahren wir den östlichen Teil des Prinz Christian Sundes. Steigerungen des bisher gesagten sind kaum möglich. Zusätzlich fahren wir in einige Nebenfjorde, in die die Inlandsgletscher hinabreichen. Es knallt wie ein Kanonenschuss wenn die Eisstücke abbrechen und ins Wasser fallen. Wir halten respektvoll Abstand. 

 

 

 

 

Kurz vor der Abbruchkante! Auf dem Plotter sind wir schon längst "auf Land"

  

Zum Abend erreichen wir die dänische Wetter- und Funkstation am Ostausgang des Sundes, die zum Leidwesen aller Segler seit 2016 unbemannt automatisch arbeitet. Wir kommen nahe Hochwasser an. Ein erheblicher Schwell schwappt an der Anlegestelle. Nach dem tagelangen Starkwind aus Nordost steht wohl draußen eine ordentliche Dünung und sendet ihre Ausläufer in den Sund. Schlimme Erinnerungen an zerrissene Leinen und geplatzte Fender werden wach. Zum Glück gibt es auf den umliegenden Schären genügend Festmacherringe, an den wir uns wie in einem Spinnennetz festmachen und von der Pier abhalten. Noch dazu ist heute Springzeit mit besonders hohem Hochwasser und besonders niedrigem Niedrigwasser. Aber einen besseren Platz gibt es leider in weitem Umkreis nicht. Bis zwei Uhr halte ich Wache und beobachte, wie ARIEL langsam tiefer sinkt.

Insgesamt ist dieser Platz leider nicht wie erhofft der Platz, um in Ruhe die Wetterentwicklung abzuwarten. Aber ein Zurück gibts hier leider nicht oder nur mit großem Zeitverlust.


Sonntag, 4. August 2019


Wir sind glimpflich über die Nacht gekommen. Nur eine Vorleine hat sich an der scharfen Spundwand durchgescheuert.

Der kleine Felsen in Höhe der Flagge ist der einzige Schutz bei Hochwasser
... und so sieht's dann bei Niedrigwasser aus!

Beim Frühstück hören wir Stimmen. Also gab es doch Leute auf der Station! Es handelt sich -nach dem Gepäck zu urteilen- offensichtlich um eine Filmcrew, die in diesem Moment von einem Motorboot abgeholt wird. Das übliche „Woher und Wohin“ muß leider entfallen, weil das Motorboot im Schwell nur kurz einsteigen läßt und dann sofort zurückfährt.

Bei herrlichem Sonnenschein laufen wir die 280 Stufen zu den Unterkünften hoch. Hier und da ist der beginnende Zerfall der Anlagen zu bemerken. Manche Treppenabschnitte sind gebrochen und leicht verschoben. Über eine Hängebrücke wandern wir zu den Sendeanlagen und zum Leuchtfeuer. Ein letzter Blick zurück in den Prinz Christian Sund und dann der Blick nach Osten, wo der Nebel auf dem Wasser liegt. Dort irgendwo wartet Island auf uns!

Letzter Blick den Print Christian Sund hinauf nach Westen
Weit hinter dem nebeligen Horizont liegt Island!

Zurück auf dem Schiff wollen wir nochmal den Wetterbericht herunterladen. Leider klappt die Inmarsat Satellitenverbindung nicht, weil der geostationäre Satellit über dem Äquator zu tief für unseren Liegeplatz steht. Wir müssen also eine kleine „Lustfahrt in See“ machen. Draußen auf dem Sund klappt die Verbindung. Prognose: schwachwindig, später nördliche Winde - dann gehts wie geplant morgen früh los!!


Letzter Blick auf die ostgrönländische Küste, die wir noch in 30 sm Abstand erkennen können!


Samstag, 10. August 2019                                

Heute um 16:00 haben wir auf den Westmännerinseln (Vestmannaeyar) festgemacht. Sechs Tage hat die Überfahrt nach Island also gedauert. Am Anfang (Montag und Dienstag) gab es kaum Wind, also viel Motorgebrumm, ab Dienstagabend ging es unter Segeln weiter. Aber auch das nur mit Mühen, das heißt hart am Wind mit Schräglage und ordentlichem Gerumpel gegen die Wellen. Mal mit Vollzeug, dann wieder mit Reff, zeitweilig mit zwei reffs und kleiner Cutterfock. Trotz aller Mühen war es aber nicht möglich, den geplanten Kurs nach Reykjavik zu halten, sodaß wir gleich das nächste isländische Ziel die Westmännerinseln ansteuerten. Auch dieses Ziel erschien nach manchen Winddrehungen unerreichbar, aber nun haben wir es ja doch geschafft! Hier wollen wir uns in den nächsten Tagen die Folgen der verschiedenen Vulkanausbrüche ansehen. Am Abend kommt noch ein norwegisches Seglerehepaar längsseits. Sie sind an dem Tag an dem wir die Wetterstation im P. Chr. Sund erreicht haben von dort losgefahren! Sie berichten auch mit Unbehagen von der Zeit im hohen Schwell. Eigentlich müsste dies in den Segelführern deutlicher erwähnt und davor gewarnt werden!